20 Stunden, 2 MB: 40 Mark

Nostalgie-Modus an: Meinen ersten Internet­zugang einschließlich Webspace hatte ich, damals Redakteur in einer Technik-Zeitschrift, Ende der 1990er beim Deutschen Forschungsnetz. Zufällig fiel mir dieser Tage eine Rechnung aus jener Zeit in die Hände. Der Vertrag umfasste ein Einwahl-Zeit­kontingent von monatlich 20 Stunden und einen Webspace von 2 Megabyte (nein, liebe Kinder, das sind beides keine Tippfehler) für 39,95 Mark.

Und falls sich noch jemand an das Verbindungs­tempo erinnert, damals mit dem 28k-Modem, lässt sich hochrechnen, dass man mit der einen Stunde Internet pro Werktag nicht allzu viel anfangen konnte … Deshalb sah meine aller­erste Website – hand­getipptes HTML – auch so aus – sind die Bilder nicht opulent? (Wobei der Schlepptop, den ich damals benutzte, IIRC einen 640×480-Monitor hatte, da war das schon okay …)

Auf den Titel vor allem war ich ja ziemlich stolz; und ab ca. 2011 hat er mir, damals hatte ich noch Statistiken, einiges an zusätz­lichen Besuchern auf die Seite gebracht … die müssen aber großteils ziemlich enttäuscht worden sein ;-)

Artbook Berlin

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Kurzer Hinweis für Liebhaber*innen von Buchstaben in allen analogen Erscheinungs­formen: Vom 22. bis 24. November findet in Berlin-Kreuzberg, Kunsthaus Bethanien, die Messe Artbook Berlin statt; ich werde einen kleinen Stand haben und eine Auswahl von Hand­gedrucktem und Cyano­typien zeigen. Der Eintritt für Besucher ist frei, und es wird viel tolle Buch- und Druck­kunst zu sehen geben. Kommt also zahlreich :-)

Immer wieder gern: Senk ju for tschuhsing Deutsche Bahn tudäi

Okay, es steht auf der Fahrkarte drauf: „… empfehlen wir Ihnen, sich kurz vor Ihrer Reise über mögliche Änderungen Ihrer Reise­daten …“. Aber jetzt definier mal „kurz“: Am Tag unserer Reise haben wir tat­sächlich ins Internet geschaut, um dort zu sehen, dass die sünd­teuer gebuchte und reser­vierte ICE-Verbindung offen­sichtlich nicht existiert und wir auf einen bereits völlig über­buchten Folgezug ange­wiesen sein würden. Der nette Schaffner in der Zubringer-Regionalbahn konnte sich das auch nicht erklären und verwies uns auf den Informations­schalter am Umsteige­bahnhof. Der dortige Dienstmützen-Inhaber nun machte sich erst gar nicht die Mühe, Freund­lichkeit zu simulieren, und klärte uns drüber auf, dass der gebuchte Zug wg. Bauarbeiten heute ausfalle, dass wir selbst­verständlich verpflichtet seien, die Zug­verfüg­barkeit ab mindestens zwei Wochen im Voraus immer mal wieder zu prüfen, und wenn wir wie jeder vernünf­tige Mensch die voll­ständigen Beförderungs­bedingungen gelesen hätten, usw. usf.

Gut, nächstes Mal könnte ich also auch beim Ticketkauf am Schalter einen Verspätungs­alarm einrichten. Hätte uns in dem Fall aller­dings höchst­wahr­scheinlich auch nichts genützt – denn Sonntag­abende auf der Süd-Nord-Hauptstrecke sind einfach immer voll. Ich war ja schon froh, sechs Wochen vorher überhaupt noch eine Platz­reservierung für vier Personen bekommen zu haben; und wenn ich jetzt vor, sagen wir, andert­halb Wochen darüber informiert worden wäre, dass der reservierte Zug ausfällt, dann hätte der einzige Unter­schied darin bestanden, dass wir uns zehn Tage länger drauf hätten freuen können, zwischen Fulda und Hannover auf dem Fußboden sitzen zu dürfen …

Richtige Idee, falsche Partei

Vielleicht habt ihr es schon gelesen: Die AfD möchte Wider­stand gegen den Klimaschutz zu ihrem Kernthema machen. Das ist natürlich konsequent, schließlich positio­niert sich die Partei seit je als erste Wahl für all jene, die auf jede Verschwörungs­theorie nur zu gern reinfallen. Aber es ist auch ein bisschen schade:

Denn vermutlich gibt es in Deutsch­land eine ganze Menge Menschen, die, sei es aus Gleich­gültigkeit oder bewusstem Egoismus, ihr vermeint­liches Freiheits­recht auf Fernreisen und Vollgas höher gewichten als die existen­ziellen Rechte kommender Genera­tionen. Aber auch von denen werden sich nicht alle mit einer Partei anfreunden können, die notorisch mehr Sympathie für den Faschismus als für die Verfassung zeigt. Deshalb bräuchten wir meines Erachtens mal noch eine Partei im bürger­lichen Spektrum, die konse­quent kurz­fristige Wirtschafts- und Konsum­interessen verfolgt – mit Sicherheit wird es bei den ehemaligen Volks­parteien reichlich Personal für eine solche Bewegung geben.

Dann könnte auf der Gegen­seite eine wirklich nach­haltige Politik propagiert werden, die die langfristige Bewohn­barkeit des Planeten in den Fokus rückt und ehrlich damit umgeht, dass zum Erreichen dieses Ziels für ein paar Jahre oder Jahrzehnte Opfer unter­schied­licher Art zu bringen und die Gesell­schaft als Ganze sowie die indivi­duelle Lebens­gestaltung grund­legend anders zu organisieren sind. [Nachträglicher Einschub: Ich vermute nämlich, dass erst ein explizites Kontra auch ein entschiedenes Pro provozieren kann – mit dem Resultat klarer Lagerbildung, die wir bei so einem bedeu­tenden Thema meines Erachtens dringend brauchen. Denn bisher sprechen sich alle demo­kra­tischen Parteien mehr oder weniger diffus für Klima­schutz aus und tun dabei so, als sei der nahezu kosten­neutral zu haben. Reicht bisher fürs Gewählt­werden, reicht aber nicht ansatz­weise für Nach­haltig­keit.] Und all das im Wissen darum, dass ein kleines Land wie Deutsch­land natürlich unmittelbar keinen nennens­werten Unter­schied bei den globalen Emissionen macht – es ginge dabei ums Symbo­lische, um die Leucht­turm­funktion einer Volks­wirtschaft, die es sich allzu lange auf ihren Errungen­schaften des vorigen Jahr­hunderts bequem gemacht hat und vielleicht doch noch wandlungs­fähig sein kann.

Damit hätten wir bei Wahlen wieder eine echte Wahl: Wollen wir jetzt unseren Spaß, sch**ß auf die Lebens­bedingungen unserer Enkel, oder wollen wir endlich unserer Verant­wortung für unsere Nachfolger gerecht werden? Auf der Basis solcher Entschei­dungen könnte dann auch mal mutiger, i.e. wirksamer Klimaschutz gemacht werden. Oder mangels Mehrheit auch nicht – aber dann hätte mans wenigstens bewusst vergeigt, das wäre zumindest ehrlicher als die bisherige Placebo-Umweltpolitik, die niemandem wehtut und niemandem nützt.

[Noch ein Nachtrag: Grade bei Heise einen der besten Kommen­tare zu diesem Themen­komplex in letzter Zeit gelesen.]

Macht der Gewohnheit

Heute früh saß eine Meise vor unserer Küchentür und schaute eine Weile zu uns herüber. Genauer: nicht zu uns, sondern dorthin, wo, regen­geschützt und gut in unserem Blick, normaler­weise das Futter­häuschen hängt. Dann flog sie tatsächlich rüber und flatterte genau dort einen Moment herum wie ein Kolibri. Fehlte grade noch, dass sie gegen das Fenster pickt, um sich zu beschweren … Aber ich hätte es ihr ja erklären können: Es gibt nun mal Hygiene­vorschriften in der Gastronomie – auch Vogelfutter-Stationen werden bei uns zumindest einmal im Jahr geputzt und gründlich getrocknet.

Fürs Protokoll

Dieses Plakat am vorigen Freitag in Hamburg hätte von mir sein können:
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Denn mal ehrlich: Menschen­massen und ich, das hat noch nie zusammen­gepasst. Aber nützjanix, mussja – ich wollte meine Tochter nicht allein demonstrieren lassen, schon um quasi zu Protokoll zu geben, dass ich es im Gegensatz zu unserer geliebten Regierung nicht für eine prima Idee halte, die gravierendsten Probleme der Gegenwart komplett auf nach­folgende Generationen abzuwälzen.

Denn auf nichts anderes läuft es ja hinaus, wenn die GroKo mal wieder nur mit Anreizen versuchen will, „alle Menschen mitzu­nehmen“ einschließ­lich der Zweifler – so Frau Merkel heute beim UN-Klimagipfel. Dort hat sie auch gesagt: „Wir haben den Weckruf der Jugend gehört“; leider hat sie versäumt, den Satz zum korrekten Abschluss zu bringen, „… aber haben aus egoistischen, rein macht­politischen Motiven beschlossen, ihn zu ignorieren.“