Sympathie-Offensive

Angeschnitten haben wir das Thema bereits im Kommentar­bereich, aber diesem Gedanken möchte ich noch etwas mehr Öffent­lichkeit verschaffen:

Die Fahrzeug­gattung SUV gilt ja inzwischen, berechtigt oder auch nicht, als Prototyp des Klima­killers. Wäre es da nicht höchste Zeit für eine Sympathie-Offensive? So könnte man das ohnehin irre­führende Kürzel durch eines ersetzen, das die tatsächlichen Werte dieser Bauform betont: Nach reiflicher Überlegung plädiere ich für SBZ – Senioren­limousine mit barrierefreiem Zugang …

Osterbrooklyn

Kleiner Kulturtipp zum Wochenende:
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Rund um den kleinen Wohnwagen am Löschplatz in Hamm-Süd, den ich vorigen Dezember kennen gelernt habe (also beides, Wagen und Platz), findet am 13./14. September das Osterbrooklyn-Festival statt. Das ist so eine Art Saison-Höhepunkt der sympathischen Nachbarschafts-Unternehmung Bootswagen-Café, wo es übern Sommer Kaffee, Kuchen und Musik aus dem Stadtteil und für den Stadtteil gibt. War dieses Jahr jetzt schon zwei Mal dort, und insbesondere Harbour Violet voriges Wochenende war eine prima Entdeckung. Mal schauen, ob ich dieses Wochenende auch noch mal Zeit finde, was zu entdecken …
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Wem hilft die Deutsche Umwelthilfe?

Ich kann nicht abstreiten, erhebliche Sympathien auch für radikalere ökologische Konzepte zu haben. Demnach müsste ein Verein, der sich Deutsche Umwelt­hilfe nennt, voll auf meiner Linie sein – wenn also Wort­meldungen der DUH selbst bei mir regel­mäßig für Blut­hoch­druck sorgen, läuft irgendwas falsch … Und als sie den Berliner Verkehrs­unfall vom vorigen Freitag mit vier Toten zum Anlass nahm, für ein SUV-Verbot* zu trommeln, war für mich ein neuer Tief­punkt erreicht: Tragische Unglücke dankbar für die eigene Agenda zu instru­menta­lisieren ist ekel­erregend selbst­gerecht und in puncto Argu­mentations­niveau kaum mehr zu unter­bieten. Wenn es der Organi­sation tatsächlich um die Umwelt geht, ist es jedenfalls eine kontra­produktive Strategie, selbst auf umwelt­bewegte Menschen möglichst unsym­pathisch zu wirken.

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* das für sich genommen gar nicht mal doof wäre, zumindest was die ganz großen Modelle angeht. Wenn das Hüft­leiden so fort­geschritten ist, dass man in kein flacheres Auto mehr reinkommt, tut’s vielleicht auch die SUV-Mittel­klasse, und rationale Argumente für X7, GLS und Co. gibt es nun mal nicht. Probe aufs Exempel: Man nehme das größte SUV, dessen man habhaft wird, stelle einen viertel-so-teuren Klein­liefer­wagen daneben und belade beide mit typischer „Sports-Utility“-Nutzlast, bspw. zwei bis drei Fahr­rädern. Der dabei vernehmbare Knall kommt von der rückstands­freien Verpuffung des Argu­ments, ein SUV sei ja soo nützlich …

Kompromist, oder Demokratie in der Klimakrise

Im Kontext der Wahlen in Sachsen und Branden­burg war unter anderem zu hören, es sei doch gar nicht schlecht, wenn mehr als zwei Parteien zur Regierungs­bildung benötigt würden – immerhin gehörten ja Kompro­misse ganz wesentlich zur Demokratie dazu. Isoliert betrachtet ist das nicht falsch. Blöd aller­dings, dass zur Lösung der Probleme, die im Zuge der nicht mehr ernsthaft zu leugnenden Klima­krise kurz- bis mittel­fristig auf uns zukommen, Kompro­misse nicht mehr ausreichen werden:
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DTP ist das neue USB


„Ich muss dringend die Bilder vom USB-Stick auf meinen Rechner überspielen“, sagte meine Tochter, legte den USB-Stick auf den Rechner und ward nicht mehr gesehen. Seither frage ich mich, auf welche Übertragungsraten man im DTP-Standard, also im Diffusion Transfer Protocol, kommen mag und ob es sich wohl schon lohnt, nächstes Jahr um diese Zeit mal auf der Festplatte nachzuschauen, ob irgendwas angekommen ist …

Urlaub auf der Verkehrsinsel

Meine Zeitung titelt heute: „Grüne wollen Vorfahrt für Radfahrer in der City“. Dass ich das prinzipiell für eine gute Idee halte, ist ja klar; aber an den Details sollten sie noch arbeiten. So wird der Vorsitzende der Hamburger Grünen-Fraktion Anjes Tjarks zitiert mit dem Vorschlag, die Ampeln könnten für Radfahrer schon eine Sekunde früher grün werden, damit „der Radverkehr schon durch“ sei, wenn dann die KFZ abbiegen; und da frage ich mich, ob eine Sekunde bloß ein Tipp- oder doch eher ein Denkfehler ist. Wenn man Abbiege­unfälle wirklich vermeiden will, dann muss der Radverkehr – räumlich oder zeitlich – klar vom motori­sierten Verkehr getrennt werden, da hilft eine Sekunde Vorsprung (die ja grade zum Aufsetzen des Fußes aufs Pedal reicht) genau gar nichts.

Und wenn man dem Fahrrad ernsthaft Vorfahrt im Stadt­verkehr verschaffen möchte, könnte man erst mal mit Gleich­berechtigung anfangen. Im Auto ist es seit je selbst­verständlich, dass man an Kreuzungen in jede Richtung in einem Zug abbiegen kann. Ebenso selbst­verständlich finden es Hamburgs Planer, dass Radfahrers liebster Urlaubsort die Verkehrs­insel ist, weshalb man auch an neu und vorgeblich fahrrad­freundlich gestalteten Kreuzungen (aktuelles Beispiel Christuskirche) gern mal drei Grünphasen für einfaches Links­abbiegen braucht.

Dieses Problem wäre meines Erachtens sehr einfach dadurch zu lösen, dass man aus der klassischen Zweier-Teilung der Ampel­schaltung an Kreuzungen (erst Straße A, dann Straße B für jeweils alle Verkehrs­mittel) eine Dreier-Teilung macht:
* Motorisierter Verkehr, Straße A
* Motorisierter Verkehr, Straße B
* Fußgänger und Radfahrer, beide Straßen (an sehr stark frequentierten Kreuzungen evtl. auch noch einmal zweigeteilt)
Dann würde der motorisierte Verkehr eine Phase lang komplett zum Ruhen kommen, und die häufigen Abbiege­unfälle mit LKW wären kein Thema mehr. (Bestimmt gibt es in fahrrad­freundlicheren Regionen als Deutschland schon Erfahrungen mit solchen Kreuzungs­regelungen; für entsprechende Hinweise wäre ich dankbar.)