Heiligengrabe, Klostergarten

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Zwischendurch mal wieder ein Beitrag aus der (imaginären) Kategorie Accidental Art … Der unübliche Schärfe­verlauf durch das verschwenkte Objektiv war ja noch Absicht, nicht aber die dramatische Unter­belichtung – keine Ahnung, wie ich mich da verrechnet habe – und auch nicht die heftigen Flecken an den Rändern (die mglw. daher rühren, dass es an diesem heißen Tag im schwarzen, nicht nur licht-, sondern auch ziemlich luft­­dichten Wechsel­­sack entsetzlich schweiß­­treibend war). Alles in allem sieht das Resultat aber, wie ich finde, entzückend vintage aus – mal abgesehen davon, dass ein Objektiv aus dem 19. Jahr­hundert die Plühmschen vorn rechts in der Ecke sicher nicht ganz so scharf abbilden würde :-)

Heiligengrabe

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Das Kloster Stift zum Heiligen­grabe – hier die Stiftskirche, aus dem Schatten der Heilig­grab­kapelle heraus fotografiert – ist ein ganz reizendes Ensemble, für das ich an einem weniger heißen Tag mal viel mehr Zeit mitbringen muss (und das groß­zügiger verstell­bare 90er Weitwinkel). Überhaupt scheint mir, so der Eindruck vom Durchfahren, die Prignitz mal eine schöne Region für ein paar Tage Urlaub mit Kultur und Natur zu sein …

Marienkirche, Wittstock

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Diesmal fange ich mit der Kleinbild-Aufnahme an – beim Rumprobieren nach dem Großformat-Foto (unten) fand ich nämlich, dass selektive Schärfe auf den Blättern noch ein bisschen inter­essanter wirkt als die banal-normale Schärfe­lage auf der Kirche St. Marien und St. Martin. Und wenn sich der Schärfe­bereich wie hier im Wind bewegt, ist das mit der Spiegel­reflex nun mal einfacher einzufangen als auf Planfilm …

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Sonntagsgalerie: Rheinsberg 3

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Retrospektiv wäre hier die Panorama­kassette sinnvoll gewesen, denn der Bildkreis des Ultra­weit­winkels erlaubt nur geringe Verstell­wege (siehe obere Ecken), und meinen eigenen Schatten hätte ich dann auch noch weggeschnitten. Aber ich war mit leichtem Gepäck unterwegs und hatte bloß ein Minimum normaler Kassetten dabei.

Bei diesem Bild war, à propos Fotografie ist kommunikativ, Kommu­nikation in die andere Richtung gefragt: Als ich gerade mit Einstellen fertig war, stellten sich ein paar Parkbesucher um das Blumen­beet in der Bildmitte herum auf und blieben sicher fünf Minuten lang in stille contemplatio floralis versunken stehen; als ich Angst hatte, das Licht würde nicht mehr lange gut sein, bat ich sie, wenigstens langsam ums Beet herumzugehen – bei 20 Sekunden Belichtungs­zeit hätte das gereicht, sie auszublenden, aber da waren sie skeptisch, also sind sie lieber ganz woanders­hin verschwunden …

Und hier noch die restlichen Rheinsberg-Bilder vom KB-Film:

Rheinsberg 2 oder Fotografie ist kommunikativ

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Wenn man sich an einem touristisch frequentierten Ort mit einer Holzkamera hinstellt und unterm Dunkeltuch hantiert, muss man drauf gefasst sein, dass Menschen stehen bleiben und Dinge wissen möchten. Die häufigsten Fragen sind meiner bisherigen Erfahrung nach: Ist das eine Hasselblad? (offensichtlich „Tempo“-Syndrom – Markenname als Gattungsbegriff), Darf ich mal durchgucken? (was ich je nach Einstell-Stadium mit etwas von Na klar bis In ein paar Minuten gern beantworte) und Machen Sie das beruflich?, womit immer häufiger auch gemeint ist, Haben Sie eine schriftliche Genehmigung für kommerzielle Aufnahmen hier?

Und dann gibt es natürlich noch den Klassiker: Warum machen Sie das? Darauf erkläre ich in der Regel erst mal, dass der Berufsalltag eines Grafikers sich zu über 90 Prozent am Computer abspielt und dass sich dabei ja alles gleich anfühlt – weshalb ich alles, was zum Job gehört, in der Freizeit als Ausgleichssport auf die jeweils klassisch-handwerkliche Art betreibe. Daraus ergeben sich recht häufig interessante Gespräche …

Und warum ich „das“ inzwischen am liebsten mit großformatigen Kameras mache, sieht man recht deutlich im unmittelbaren Vergleich: Das Bild oben ist mit der 9×12 auf einen Film mit effektiv ISO 3/6° aufgenommen, das untere vom selben Standort mit der Nikon auf ISO 100/21° – also nur zehn Prozent der Fläche, aber 32x so empfindlich. Beide Bilder lassen sich per Klick vergrößern, die Negative sind unter denselben Bedingungen digitalisiert (optisch 2400dpi auf dem Flachbettscanner), das obere habe ich nachträglich für vergleichbare Dimensionen auf 25% skaliert.

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Dabei ist mir klar, dass eine moderne Digitale mit Fullframe- oder größerem Sensor (und idealerweise einem Tilt/Shift-Objektiv, damit die Perspektivkorrektur nicht in Photoshop geschummelt werden muss) zumindest ähnlichen Detailreichtum abliefern könnte wie die 9×12 hier – wenngleich der DN2 bei 2400dpi offensichtlich noch nicht an seiner Grenze ist, mit einem besseren Scanner lassen sich vermutlich noch weit mehr als meine 90 Megapixel an real nutzbarer Auflösung rauskitzeln. Aber dann müsste ich mich ja wieder für jeden Arbeitsgang an den Rechner setzen, während ich mit der Analogen auf rein handwerkliche Art zu direkt nutzbaren Kopiervorlagen z.B. für Cyanotypien komme, und das macht mir, s.o., einfach mehr Spaß.

Rheinsberg

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Neulich, am bullenheißen letzten Junitag, habe ich den Abend im Park von Schloss Rheinsberg verbracht. Nachdem ich den ganzen Tag kein einziges Foto gemacht hatte, hab ich mir dort Zeit für ein paar Architektur-Fingerübungen genommen. Dies hier war ein Test, wie mein derzeitiger Lieblingsfilm Orwo/Wephota DN2 bei Standardentwicklung mit sehr heftigen Kontrasten umgeht: Die Sonne stand rechts hinter dem Torbogen und brachte das Pflaster zum Leuchten, die Schatten waren hart und der Himmel noch ziemlich hell; ich hatte ein Gelbgrünfilter auf dem Normalobjektiv und habe mich nach Ausmessen aller Bereiche des Motivs per Spotmeter entschieden, auf die offeneren Schattenbereiche zu belichten, ca. zehn Sekunden bei Blende 32. – Vermutlich wäre mit angepasster Belichtung/Entwicklung nach Zonensystem noch etwas Zeichnung in den hellsten Partien drin gewesen, aber Einzelblatt-Entwicklung statt immer gleich 4 Filme auf einmal in der Dose, dafür fehlt mir denn doch die Muße. Immerhin gibt es keine nennenswerte Überstrahlung an den Objektkanten vor den hellsten Bereichen, das hat man auch schon anders gesehen …

St. Johannis / Im Wald

Cyano_JohannisWald_Comp
Beide Bilder, aus denen dieses Motiv besteht, habt ihr in den zurück­liegenden Wochen hier einzeln gesehen. Für diese Version habe ich die Negative (bzw. in diesem Fall ihre vergrö­ßerten Umkopien) zusammen als Cyanotypie belichtet. Min Fru findet, es habe was von einem Horrorfilm-Motiv; das kann ich zwar in gewissem Maße nachvoll­ziehen, aber ich mag das Ergebnis dennoch leiden.

(Diesmal kein Blaupausenfüller, sondern nur ein optischer Trenner, weil es für den Rest des Monats mit einer anderen Farbfoto-Serie weitergeht.)