Rügen 1998

Wir sprachen neulich drüber: Von allen Pilz­bildern, die ich im Lauf der letzten, hoppla, 35 Jahre gemacht habe, ist mir dies das liebste. Ist zwar weder das detail­reichste noch das schärfste, aber ich mag das Licht … Irgendwo im Wald an der Stubben­kammer auf Rügen mit dem 55er Makro auf Agfa Scala Schwarzweiß-Diafilm – und ich erinnere mich vage an eine ziemlich unbe­queme Haltung beim Foto­grafieren, weil ichs ohne Stativ aufgenommen habe :-)

Jahreszeitenbaum

Als ich durch Zufall vor einigen Monaten im Internet dieses Bild eines Baums auf einem Feld sah, hab ich ihn sofort wieder­erkannt: als „meinen“ Jahres­zeiten­baum – den ich nämlich vor rund 20 Jahren über den Jahreslauf mehrmals aufge­sucht habe, um eine dieser klassischen Vier-Jahres­zeiten-Serien zu fotografieren.

Leider wohne ich nicht ganz so dicht dran wie die Autorin des oben verlinkten Blogs, sondern hatte eine halbe Stunde Anfahrweg mit dem Auto oder gut das Doppelte mit dem Fahrrad, weshalb ich nicht immer das beste Licht erwischte; und damals, in the days before Digi­knipsen, habe ich auch den Standort und Blick­winkel nur ungefähr repro­duzieren können, wie man an den Büschen im Hintergrund sieht.

Außerdem ist man von heutigen EBV-Gepflogen­heiten ja ziemlich versaut: Technisch war das für die Zeit hohes Niveau – dürfte Fujichrome Provia 100 gewesen sein in der Nikon F4, 180er Fes­tbrennweite bei mittlerer Blende auf einem 5-kg-Stativ und mit Kabel­auslöser, wahrscheinlich auch Spiegel­vorauslösung –; aber wenn man in die Dia-Scans ein bisschen reinzoomt, sieht das gar nicht mehr so dolle aus, eher mittel­mäßige Auflösung. Aber muss man denn reinzoomen? Das war in der Projektion (ja, so richtig mit guter Leinwand – hängt im Keller immer noch an der Decke und wird manchmal als Foto-Hintergrund benutzt) völlig ausreichend, und auch die Cibachromes dieser Serie, die ich damals habe rahmen lassen, sind an der Flur-Wand meiner Eltern immer noch ansehnlich. – Eins allerdings spricht fürs Reinzoomen am Monitor: Bis heute, als ich die Dias gescannt habe, war mir noch nicht aufgefallen, dass im Winter-Motiv (außerhalb des oben gezeigten quadratischen Ausschnitts) Rehe am Äsen waren :-)
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Morbider Charme


Ebenfalls Paris 1995; damals war T-Max 3200 mein meist­benutzter Film, weil ich unter möglichst vielen Bedin­gungen ohne Stativ foto­grafieren wollte, und dement­sprechend ist alles grob­körnig – Flexi­bilität bei der Empfind­lichkeit ist der eine Punkt, den ich bei Digital­kameras tatsäch­lich besser finde als beim (Kleinbild-)Film. Für solche Motive wie hier ist der Verzicht auf Stativ-Gehampel ja abseits aller Diskus­sionen um Verbote generell zu empfehlen, wenn man nicht ständig die Frage beant­worten möchte, warum man denn ausge­rechnet das fotografiert :-)

La Défense


Weiter geht es in meinem Paris-Archiv von 1995, zunächst mit ein paar Bildern aus dem Büro­viertel La Défense. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich damals ganz frisch zwei neue Gebraucht­objektive, nämlich das 3,5/18mm und das 2,8/180mm, und solche Archi­tektur bietet speziell für Ultra­weit­winkel natürlich tolle Motive.

Im Grenzbereich der Kunstfreiheit

Weiter zum Thema Fotos, die ich so heute vermutlich nicht mehr machen würde:
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Damals, also wiederum in den späten 1980ern und frühen 90ern, hat man sich als Foto­neuling, wie ich einer war, typischer­weise durch Lehrbücher von John Hedgecoe oder durch Time-Life-Serien geackert und darin gelesen, dass es bei der Foto­grafie darum geht, den besonderen Moment festzu­halten, Emotionen einzu­fangen, Humor in einer Szenerie zu erkennen und dergleichen. Na, und dann hat man eben auf Straßen und Plätzen gern etwas foto­grafiert wie das hier gezeigte Bild … Ich würde nicht behaupten, dass es gut ist, war halt eine Fingerübung.

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