Im Grenzbereich der Kunstfreiheit

Weiter zum Thema Fotos, die ich so heute vermutlich nicht mehr machen würde:
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Damals, also wiederum in den späten 1980ern und frühen 90ern, hat man sich als Foto­neuling, wie ich einer war, typischer­weise durch Lehrbücher von John Hedgecoe oder durch Time-Life-Serien geackert und darin gelesen, dass es bei der Foto­grafie darum geht, den besonderen Moment festzu­halten, Emotionen einzu­fangen, Humor in einer Szenerie zu erkennen und dergleichen. Na, und dann hat man eben auf Straßen und Plätzen gern etwas foto­grafiert wie das hier gezeigte Bild … Ich würde nicht behaupten, dass es gut ist, war halt eine Fingerübung.

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Heiter bis wolkig

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Weil heut’ Sonntag ist, unterbreche ich mal das Archiv-Programm für ein aktuelles Foto (aus der letzten September­woche). Falls ihr den Schärfe­verlauf irgendwie eigen­artig findet: Doch, das sollte so aussehen, damit die Wolken trotz Schwer­punkt auf dem Gras noch zur Geltung kommen (aber wären die Bäume auch scharf, dann wären sie zu mir dominant geworden) – und nein, es ist nicht in Photo­shop geschummelt, das kann eine in mehreren Ebenen verstell­bare Kamera ganz ohne Tricks :-)

Vor dem Louvre

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Meine Blicke ins Archiv erstaunen mich manchmal selbst: Eine Zeitlang habe ich gern Street Photography gemacht, mit Menschen drauf, die mitunter sogar erkennbar waren. Aber damals, in den 1980ern und 90ern, war auch klar, dass die Fotos über einen sehr begrenzten Betrachter­kreis nicht hinaus­kommen – seit dem Aufkommen von Social Media und automati­sierter Gesichts­erkennung habe ich mir weitest­gehend abgewöhnt, bei Fotos im öffent­lichen Raum Menschen ins Bild zu nehmen.

Richtige Idee, falsche Partei

Vielleicht habt ihr es schon gelesen: Die AfD möchte Wider­stand gegen den Klimaschutz zu ihrem Kernthema machen. Das ist natürlich konsequent, schließlich positio­niert sich die Partei seit je als erste Wahl für all jene, die auf jede Verschwörungs­theorie nur zu gern reinfallen. Aber es ist auch ein bisschen schade:

Denn vermutlich gibt es in Deutsch­land eine ganze Menge Menschen, die, sei es aus Gleich­gültigkeit oder bewusstem Egoismus, ihr vermeint­liches Freiheits­recht auf Fernreisen und Vollgas höher gewichten als die existen­ziellen Rechte kommender Genera­tionen. Aber auch von denen werden sich nicht alle mit einer Partei anfreunden können, die notorisch mehr Sympathie für den Faschismus als für die Verfassung zeigt. Deshalb bräuchten wir meines Erachtens mal noch eine Partei im bürger­lichen Spektrum, die konse­quent kurz­fristige Wirtschafts- und Konsum­interessen verfolgt – mit Sicherheit wird es bei den ehemaligen Volks­parteien reichlich Personal für eine solche Bewegung geben.

Dann könnte auf der Gegen­seite eine wirklich nach­haltige Politik propagiert werden, die die langfristige Bewohn­barkeit des Planeten in den Fokus rückt und ehrlich damit umgeht, dass zum Erreichen dieses Ziels für ein paar Jahre oder Jahrzehnte Opfer unter­schied­licher Art zu bringen und die Gesell­schaft als Ganze sowie die indivi­duelle Lebens­gestaltung grund­legend anders zu organisieren sind. [Nachträglicher Einschub: Ich vermute nämlich, dass erst ein explizites Kontra auch ein entschiedenes Pro provozieren kann – mit dem Resultat klarer Lagerbildung, die wir bei so einem bedeu­tenden Thema meines Erachtens dringend brauchen. Denn bisher sprechen sich alle demo­kra­tischen Parteien mehr oder weniger diffus für Klima­schutz aus und tun dabei so, als sei der nahezu kosten­neutral zu haben. Reicht bisher fürs Gewählt­werden, reicht aber nicht ansatz­weise für Nach­haltig­keit.] Und all das im Wissen darum, dass ein kleines Land wie Deutsch­land natürlich unmittelbar keinen nennens­werten Unter­schied bei den globalen Emissionen macht – es ginge dabei ums Symbo­lische, um die Leucht­turm­funktion einer Volks­wirtschaft, die es sich allzu lange auf ihren Errungen­schaften des vorigen Jahr­hunderts bequem gemacht hat und vielleicht doch noch wandlungs­fähig sein kann.

Damit hätten wir bei Wahlen wieder eine echte Wahl: Wollen wir jetzt unseren Spaß, sch**ß auf die Lebens­bedingungen unserer Enkel, oder wollen wir endlich unserer Verant­wortung für unsere Nachfolger gerecht werden? Auf der Basis solcher Entschei­dungen könnte dann auch mal mutiger, i.e. wirksamer Klimaschutz gemacht werden. Oder mangels Mehrheit auch nicht – aber dann hätte mans wenigstens bewusst vergeigt, das wäre zumindest ehrlicher als die bisherige Placebo-Umweltpolitik, die niemandem wehtut und niemandem nützt.

[Noch ein Nachtrag: Grade bei Heise einen der besten Kommen­tare zu diesem Themen­komplex in letzter Zeit gelesen.]

Sonntags-Dessert

Aber bevor es demnächst mit den Archiv-Schätzchen weitergeht, rasch noch mal was Tagesaktuelles:
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Etwas Haferflocken-Mandel-Teig, ein halbes Dutzend köstlicher Findäpfel* und eine halbe Stunde im Backofen – fertig ist der sonntägliche Beweis, dass es eben nicht Kalorien, sondern Glückshormone heißt …

* Findäpfel, weil wir die Apfelbäume, augen­schein­lich alte Exemplare unter­schied­licher Sorten, an einer Landstraße irgendwo im Nirgendwo gefunden haben. Und obwohl sie einen Eintrag bei mundraub.org haben und gut zugänglich sind, waren sie Ende September noch nicht abgeerntet. Gut für uns – die Früchte waren leckerer als alles, was ich in den letzten Wochen im Supermarkt finden konnte :-)