(Un-)Gesunde Skepsis

Neulich ergab es sich, einige Dinge mit jemandem zu diskutieren, der den menschlichen Einfluss aufs Klima bestreitet bzw. das eigentliche Problem weniger in Treibhausgasen als vielmehr in Chemtrails sieht. Solche Diskussionen sind zwar per se zwecklos, aber als argumentative Fingerübung verfasste ich trotzdem ein paar E-Mails. Hier nun, anonymisiert, meine abschließenden Gedanken:

Was du die Mainstream­erkenntnisse in der Klimadebatte nennst, ist ja keine Mehrheits­*meinung*, sondern ein Grundkonsens darüber, was als gesicherte Tatsache gelten kann und an welchen Stellen noch Unsicher­heiten bestehen. Um diese Tatsachen festzu­stellen und in einem kontinu­ierlichen Prozess die Unsicher­heiten zu beseitigen, dafür gibt es in der Welt der Wissenschaft normierte Verfahren, die über alle ideologischen Grenzen hinweg anerkannt sind (und die ebenfalls kontinu­ierlich verbessert werden, wo sie noch Defizite haben – so wie die traditionelle „Double blind“-Form des Peer Reviewings neuerdings durch transpa­rentere Open Reviews ergänzt wird, weil man sich der Probleme von Doppelblind-Verfahren bewusst ist).

Wer (wie der Chemtrails-Flyer so keck Kant zitiert) den Mut hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, der muss, um da, wo er selbst nicht die Kenntnisse hat, auf die Ergebnisse aus wissen­schaftlichen Erkenntnis­prozessen zurückgreifen. Es ist ja gerade kennzeichnend für Wissen­schaft, die ernst genommen werden möchte, dass sie zuallererst sich selbst anzweifelt und etwas erst dann als Tatsache gilt, wenn es nach rational nachvoll­ziehbaren Kriterien verifiziert ist. Weiterlesen „(Un-)Gesunde Skepsis“