Zoomen mit der Lochkamera

Gerade macht mich Thomas (danke!) auf eine Kickstarter-Kampagne für „world’s first pinhole zoom lens“ aufmerksam. Lustige Idee, aber wirklich neu ist daran nur das Gehäuse – jeder, der mal ein Pinhole an einer Balgen­kamera verwendet hat, hatte damit natürlich automatisch ein Zoom, zudem mit mehr als nur zweifachem Bildweiten-Bereich. So sieht es zum Beispiel aus, wenn man den Balgen während einer Einzel­­aufnahme nach Grund­belichtung in kürzester Bildweiten-Einstellung langsam in den „Tele“-Bereich fährt:
201902-GF45pin_SiekKirche2
(9×12-Negativ und 0,2mm-Loch, kürzeste Bildweite 45mm, längste ca. 150mm, Belichtungs­zeit etwa eine Viertel­stunde, davon die Hälfte in kürzester Balgen­einstellung).

Vorteil der Thingyfy-Lösung ist natürlich, dass man damit auch mit Fullframe- oder noch kleineren Sensoren zu einer Weitwinkel- oder (bei Spiegel­reflexen) zumindest Normal­objektiv-Anmutung kommt; wenn ich einen Balgen an die Nikon anschließe, ist die Bildweite zwangs­­läufig mindestens im Bereich eines kurzen Teleobjektivs.

Urlaub auf der Verkehrsinsel

Meine Zeitung titelt heute: „Grüne wollen Vorfahrt für Radfahrer in der City“. Dass ich das prinzipiell für eine gute Idee halte, ist ja klar; aber an den Details sollten sie noch arbeiten. So wird der Vorsitzende der Hamburger Grünen-Fraktion Anjes Tjarks zitiert mit dem Vorschlag, die Ampeln könnten für Radfahrer schon eine Sekunde früher grün werden, damit „der Radverkehr schon durch“ sei, wenn dann die KFZ abbiegen; und da frage ich mich, ob eine Sekunde bloß ein Tipp- oder doch eher ein Denkfehler ist. Wenn man Abbiege­unfälle wirklich vermeiden will, dann muss der Radverkehr – räumlich oder zeitlich – klar vom motori­sierten Verkehr getrennt werden, da hilft eine Sekunde Vorsprung (die ja grade zum Aufsetzen des Fußes aufs Pedal reicht) genau gar nichts.

Und wenn man dem Fahrrad ernsthaft Vorfahrt im Stadt­verkehr verschaffen möchte, könnte man erst mal mit Gleich­berechtigung anfangen. Im Auto ist es seit je selbst­verständlich, dass man an Kreuzungen in jede Richtung in einem Zug abbiegen kann. Ebenso selbst­verständlich finden es Hamburgs Planer, dass Radfahrers liebster Urlaubsort die Verkehrs­insel ist, weshalb man auch an neu und vorgeblich fahrrad­freundlich gestalteten Kreuzungen (aktuelles Beispiel Christuskirche) gern mal drei Grünphasen für einfaches Links­abbiegen braucht.

Dieses Problem wäre meines Erachtens sehr einfach dadurch zu lösen, dass man aus der klassischen Zweier-Teilung der Ampel­schaltung an Kreuzungen (erst Straße A, dann Straße B für jeweils alle Verkehrs­mittel) eine Dreier-Teilung macht:
* Motorisierter Verkehr, Straße A
* Motorisierter Verkehr, Straße B
* Fußgänger und Radfahrer, beide Straßen (an sehr stark frequentierten Kreuzungen evtl. auch noch einmal zweigeteilt)
Dann würde der motorisierte Verkehr eine Phase lang komplett zum Ruhen kommen, und die häufigen Abbiege­unfälle mit LKW wären kein Thema mehr. (Bestimmt gibt es in fahrrad­freundlicheren Regionen als Deutschland schon Erfahrungen mit solchen Kreuzungs­regelungen; für entsprechende Hinweise wäre ich dankbar.)

Ein letztes Kunstwochenende

Wer noch mal die eine oder andere Ausstellung im Rahmen von „Dörfer zeigen Kunst“ sehen möchte (zum Beispiel die in Behlendorf …), der hat noch am kommenden Wochenende Gelegenheit dazu, also am 10. und 11. August jeweils von 13 bis 18 Uhr. Das lohnt sich bereits für die Landschaft drumherum, für mich ist der Weg hin und zurück schon fast Urlaub – hier ein Blick von der Brücke über den Elbe-Lübeck-Kanal hinter Kühsen, einschließlich Falke am Himmel:

Und hier noch eine Gesamtansicht des vorigen Ausstellungs-Samstags – es waren durchaus Besucher da, aber bei gut 4,5 Stunden Belichtungszeit in der Lochkamera blieben die alle unsichtbar: