Im Grenzbereich der Kunstfreiheit

Weiter zum Thema Fotos, die ich so heute vermutlich nicht mehr machen würde:
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Damals, also wiederum in den späten 1980ern und frühen 90ern, hat man sich als Foto­neuling, wie ich einer war, typischer­weise durch Lehrbücher von John Hedgecoe oder durch Time-Life-Serien geackert und darin gelesen, dass es bei der Foto­grafie darum geht, den besonderen Moment festzu­halten, Emotionen einzu­fangen, Humor in einer Szenerie zu erkennen und dergleichen. Na, und dann hat man eben auf Straßen und Plätzen gern etwas foto­grafiert wie das hier gezeigte Bild … Ich würde nicht behaupten, dass es gut ist, war halt eine Fingerübung.

Nun würden sich die Passanten trotz der Grob­­körnigkeit des Kodak T-Max 3200 vermutlich selbst in diesem Bild wieder­­erkennen, obwohl nicht sie, sondern das Pferd das dominie­rende Bild­element sind – und da man heute immer mal wieder über Klagen gegen die Verletzung der Persön­lich­keits­­rechte hört, würde ich inzwischen wohl gleich bei der Aufnahme versuchen, einen Ausschnitt zu wählen, in dem nur vom Pferd der Kopf sichtbar ist (ob das Bild gestal­terisch davon besser würde, ist eine andere Frage).

Ebenfalls rund 30 Jahre alt und in London entstanden sind die folgenden Bilder einer fröhlichen Szenerie – ich finde sie deutlich gelun­gener als das Foto oben, aber weil ein einzelner Mensch im Zentrum steht, mache ich sie hier nur per Link aufrufbar, statt sie direkt auf die Startseite zu packen: [ einszwei ]. Vermutlich haben sich außer mir auch die Eltern des mir unbe­kannten Kindes damals nichts dabei gedacht – warum auch? Heute würden wohl die meisten Eltern es sich verbitten, wenn die eigenen Kleinen von Fremden derart in den Fokus genommen werden: Wer weiß denn schon, in welchem Kontext die Fotos im Netz die Runde machen?

(Tatsächlich erinnere ich mich an einen Moment am Strand fast 25 Jahre nach diesen Aufnahmen, als ich merkte, dass jemand von weiter weg, mit sehr langem Tele, meine knapp beklei­deten eigenen Kinder anpeilte. Da war ich alles andere als entspannt und hätte ihm wohl, wenn er nicht von selbst verschwunden wäre, gründlich die Meinung gegeigt.)

2 Kommentare zu „Im Grenzbereich der Kunstfreiheit“

  1. brisantes thema – mich betrifft es wohl noch weniger als dich – ich knipse ja selbst gebäude am liebsten ohne menschen ;-)
    was mir bei deinem layout fehlt ist ein zurück oder schliessen schalter bei den bildern – musste jedesmal die seite neu aufrufen :-o
    wobei die beiden bilder grossartig sind!

    1. Schön, dass dir die Bilder gefallen. Und schade, dass das Kind oder seine Eltern sie nie zu sehen bekommen … Wenn man so was heute macht, wäre es ja ein Leichtes, das Foto auf dem Display zu zeigen und bei Gefallen Mailadresse zu erfragen. Aber damals hatten vermutlich nur sieben Menschen auf der Welt E-Mail und niemand ein Display auf der Kamera :)

      Ja, mit der Bildpräsentation bin ich in diesem Theme noch nicht glücklich, ich hab das nur als momentan kleinstes Übel aktiv … leider kann ich CSS nicht gut genug, um mir selbst eins zu basteln. – Wenn man Bilder als Galerie einbettet, haben sie ja die Steuerbuttons, vielleicht lässt sich damit ein bisschen tricksen, werde ich beizeiten mal probieren.

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