Fürs Protokoll

Dieses Plakat am vorigen Freitag in Hamburg hätte von mir sein können:
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Denn mal ehrlich: Menschen­massen und ich, das hat noch nie zusammen­gepasst. Aber nützjanix, mussja – ich wollte meine Tochter nicht allein demonstrieren lassen, schon um quasi zu Protokoll zu geben, dass ich es im Gegensatz zu unserer geliebten Regierung nicht für eine prima Idee halte, die gravierendsten Probleme der Gegenwart komplett auf nach­folgende Generationen abzuwälzen.

Denn auf nichts anderes läuft es ja hinaus, wenn die GroKo mal wieder nur mit Anreizen versuchen will, „alle Menschen mitzu­nehmen“ einschließ­lich der Zweifler – so Frau Merkel heute beim UN-Klimagipfel. Dort hat sie auch gesagt: „Wir haben den Weckruf der Jugend gehört“; leider hat sie versäumt, den Satz zum korrekten Abschluss zu bringen, „… aber haben aus egoistischen, rein macht­politischen Motiven beschlossen, ihn zu ignorieren.“

2 Kommentare zu „Fürs Protokoll“

  1. DANKE, dass Du auch dabei warst!
    Wie bei mir. Nur ohne eigene Kinder. Ich hatte frei, insofern musste ich nicht mal streiken. Das war für mich Zeichen genug den Allerwertesten vom Sofa zu erheben. Raus aus der Komfortzone! Ein von mir bei einem Social Media Dienst gepostetets Bild des gefüllten Rathausplatzes hat noch spontan einem Freund als Auslöser gereicht auch alles stehen und liegen zu lassen und zu mir zu stoßen. Dafür ist sowas dann mal wirklich nützlich!
    Hinterher fragten einige Freunde und Bekannte, nachdem sie mein Bild sahen: „Ich denke Du hasst Menschenmassen?“. Tja, dann fragt Euch mal, wie schlimm die Lage ist oder wie schlimm ich sie (auch) einschätze, dass ich mich trotzdem einer 16.000 Menschen großen Masse anschließe! Ich hoffe, das war dann auch für die ein Punkt zum nachdenken. Was ich ehrlichgesagt aber eher bezweifle. Einen Tag später: mit dem Wohnmobil an die Nordsee und Prosecco-im-Campingstuhl-Bildchen posten.

    1. Nu, bei Wohnmobilen bin ich ja entspannt, zumindest bei normalgroßen – schlimmer wäre, wenn sie den Prosecco im Flieger beim Wochenendtrip nach Rom geschlürft hätten … 🙂
      Ich bin aber wirklich gespannt, ob zu unseren Lebzeiten noch ernsthaft umgesteuert wird in Richtung einer nachhaltigen Organisation der Gesellschaft – und unter welchen Rahmenbedingungen. Denn neben denjenigen von uns, die die aktuellen Klimaschutzmaßnahmen für nicht annähernd ausreichend halten, gibt es dann ja auch diejenigen, denen das alles schon viel zu radikal ist und die uns auf direktem Weg in eine Ökodiktatur wähnen. Und das müssen gar nicht alles verblendete Verschwörungs-Spinner sein; dafür reicht es schon, sich über die Jahrzehnte womöglich mühsam ein bisschen Wohlstand erarbeitet zu haben und jetzt das Gefühl zu haben, für den aktuellen, gar nicht als überkandidelt empfundenen Lebenswandel an den Pranger gestellt zu werden.
      In solchen Fällen kann ich es in gewisser Weise nachvollziehen, dass man es lieber vermeidet, sich ernsthaft mit der Klimaproblematik auseinanderzusetzen – weil dann die Konsequenz wäre, etliche der Annehmlichkeiten, an die man sich im Lauf der Zeit gewöhnt hat, in die Tonne kloppen zu müssen. Das ist zwar natürlich egoistisch, wenn man nur an die eigenen (vermeintlichen) Rechte denkt und nicht an die seiner Enkel; aber es ist halt auch typisch menschlich, dass nur die unmittelbaren und kurzfristigen Bedürfnisse im Blick sind.
      Weshalb ich übrigens, aus ihrer Sicht, auch die Regierung ein bisschen verstehen kann: Kurzfristig ging es mal wieder darum, an keinem Ende des Spektrums Wähler wirklich vor den Kopf zu stoßen. Im Prinzip halten sich die vormaligen Volksparteien so noch eine Weile künstlich am Leben, obwohl sie in diesem Jahrhundert eigentlich gar nicht mehr gebraucht werden. Denn die Polarisierung, die wir früher mal zwischen Union und Sozis hatten und die aus Wahlen Richtungsentscheidungen gemacht hat, beschränkt sich längst auf belanglose Details. Derweil sind außer der AfD inzwischen fast alle Parteien mehr oder weniger diffus für Umweltschutz, während die Grünen auf ihrem Kerngebiet immer biederer werden, so dass bei Wahlen zwar Klima als großes Thema gilt, aber aus den Ergebnissen kaum ein klarer Wählerwille in dieser Hinsicht ablesbar ist.
      Dabei fände ich es fürs 21. Jahrhundert wünschenswert, genauso eine Polarisierung, wie wir sie mal zwischen Kapital und Arbeiterklasse hatten, in der Parteienlandschaft in Klimafragen zu sehen. Wenn wir zwischen konsequent ökologischen Positionen einerseits und einer antiökologischen Gegenbewegung andererseits wählen könnten, ließen sich hinterher zumindest echte Entscheidungen treffen – zum Guten oder zum Schlechten – statt nur, wie wir es jetzt haben, unverbindliches Wischiwaschi, das bloß so tut, als sei es ein Klimaschutzprogramm.

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