Rheinsberg 2 oder Fotografie ist kommunikativ

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Wenn man sich an einem touristisch frequentierten Ort mit einer Holzkamera hinstellt und unterm Dunkeltuch hantiert, muss man drauf gefasst sein, dass Menschen stehen bleiben und Dinge wissen möchten. Die häufigsten Fragen sind meiner bisherigen Erfahrung nach: Ist das eine Hasselblad? (offensichtlich „Tempo“-Syndrom – Markenname als Gattungsbegriff), Darf ich mal durchgucken? (was ich je nach Einstell-Stadium mit etwas von Na klar bis In ein paar Minuten gern beantworte) und Machen Sie das beruflich?, womit immer häufiger auch gemeint ist, Haben Sie eine schriftliche Genehmigung für kommerzielle Aufnahmen hier?

Und dann gibt es natürlich noch den Klassiker: Warum machen Sie das? Darauf erkläre ich in der Regel erst mal, dass der Berufsalltag eines Grafikers sich zu über 90 Prozent am Computer abspielt und dass sich dabei ja alles gleich anfühlt – weshalb ich alles, was zum Job gehört, in der Freizeit als Ausgleichssport auf die jeweils klassisch-handwerkliche Art betreibe. Daraus ergeben sich recht häufig interessante Gespräche …

Und warum ich „das“ inzwischen am liebsten mit großformatigen Kameras mache, sieht man recht deutlich im unmittelbaren Vergleich: Das Bild oben ist mit der 9×12 auf einen Film mit effektiv ISO 3/6° aufgenommen, das untere vom selben Standort mit der Nikon auf ISO 100/21° – also nur zehn Prozent der Fläche, aber 32x so empfindlich. Beide Bilder lassen sich per Klick vergrößern, die Negative sind unter denselben Bedingungen digitalisiert (optisch 2400dpi auf dem Flachbettscanner), das obere habe ich nachträglich für vergleichbare Dimensionen auf 25% skaliert.

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Dabei ist mir klar, dass eine moderne Digitale mit Fullframe- oder größerem Sensor (und idealerweise einem Tilt/Shift-Objektiv, damit die Perspektivkorrektur nicht in Photoshop geschummelt werden muss) zumindest ähnlichen Detailreichtum abliefern könnte wie die 9×12 hier – wenngleich der DN2 bei 2400dpi offensichtlich noch nicht an seiner Grenze ist, mit einem besseren Scanner lassen sich vermutlich noch weit mehr als meine 90 Megapixel an real nutzbarer Auflösung rauskitzeln. Aber dann müsste ich mich ja wieder für jeden Arbeitsgang an den Rechner setzen, während ich mit der Analogen auf rein handwerkliche Art zu direkt nutzbaren Kopiervorlagen z.B. für Cyanotypien komme, und das macht mir, s.o., einfach mehr Spaß.

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