Morgens um fünf

Hochsitz im ersten Sonnenlicht des Tages

… kann einem diese bekloppte Welt tatsächlich noch einiger­maßen in Ordnung vor­kommen. Das ist normaler­weise leider nicht die Zeit, um die ich schon draußen bin, denn wenn man abends nicht vor Mitter­nacht das Büro zuklappt, klappt es nicht so gut, zu vernünf­tiger Zeit, i.e. mit der Sonne, aufzu­stehen. Aber gestern bin ich mal schon gegen 22 Uhr ins Bett gegangen, prompt bin ich heute um 4:15 ohne Wecker wach geworden, und nach kleinem Früh­stück war ich dann um fünf Uhr im Wald.

Eigentlich hatte ich es fotografisch eher auf Flausch und Fluff abgesehen, fürs Blog nebenan, und hatte deshalb bloß das lange Objektiv am kleinen Sensor nebst Einbein-Stativ dabei, nicht die ideale Kombi für Landschafts­fotos. Trotzdem habe ich mich dann erst mal mit dem Spiel des ersten Lichts auf den Getreidefeldern befasst:

Dann wurden erst die Kühe wach,

Zwei schwarze und eine weiße Kuh liegen unter Baum
weiße Kuh steht und leckt sich den Rücken

dann rieb sich ein Hase vor der Kamera die Augen,

und dann habe ich erst bei der Amsel

Amsel an Ast, 1/4 Sekunde, leicht verwackelt

und dann beim Reh

weibliches Reh, ziemlich nah, leider mit ziemlicher Verwacklungsunschärfe

vergessen, dass die kleine Kamera einen elektro­nischen Sucher hat, der die Hellig­keit auto­matisch verstärkt; und wenn man dann nicht drauf achtet, welche Belich­tungs­zeit die Zeit­auto­matik wählt, sieht man erst hinterher, dass es kurz nach Sonnen­aufgang im Wald halt doch noch ziemlich dunkel gewesen sein muss.

Jammerlappen

Erinnert sich noch jemand an gute Putzschwämme?

zwei Putzschwämme, farbig vor schwarzweißem Küchenhintergrund isoliert

Es ist ein schleichender Qualitäts­verfall: Nicht jede neue Ladung Putz­schwämmchen ist viel minder­wertiger als die vorige. Aber über die Jahre sind diese kleinen Haus­halts­helfer in mehreren Schritten immer wieder etwas schlechter geworden, weniger haltbar, weniger form­stabil. Früher hielten die Dinger wochen­lang, wenn man sie zwischen­durch mal auskochte, heute fangen sie buch­stäb­lich beim ersten Kontakt mit ange­trock­netem Schmutz an zu bröseln. Min Fru und ich schätzen über­ein­stimmend, dass wir einen Putz­schwamm im Vergleich zu vor zehn Jahren um Faktor drei bis vier schneller weg­werfen müssen. Ich halte das für einen klassi­schen Fall von Umsatz­steigerung durch geplante Obso­leszenz – ach so segens­reiches Wirken des Marktes. Kann so was bitte endlich verboten werden?

Luxusprobleme

Wenn mich dereinst meine Enkel bequengeln, „Opa, erzähl uns was von Corona!“, dann werde ich wohl sagen müssen: „Davon hab ich nichts mitbekommen, ich war im Büro.“ – Klar, das eine oder andere merke ich schon: Kunden­besuche sind nicht drin zurzeit, alle für dieses Jahr geplanten Ausstel­lungen sind abgesagt, und beim Einkauf sorgt das vermutlich sinnvolle Vermum­mungs­gebot für chronisch beschla­gene Brillen­gläser. Aber von dem, was an der Pandemie so ernst ist, ist hier auf meiner Insel bis heute nichts ange­kommen.

Tatsäch­lich stellt sich mir das Luxus­problem, wie in den vorigen Artikeln über effizien­teres Arbeiten in einem Blog-Editor nach­denken zu können, ja primär deshalb, weil ich entgegen dem Trend momentan so stark ausge­lastet bin, dass jede Minute vermeid­barer Arbeits­zeit am Rechner im Prinzip von meinem Schlaf­kontingent abgeht, weil die Tage so voll­gepackt sind, dass ansonsten keine Manövrier­masse da ist.

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Hacking Gutenberg

Flotter arbeiten mit Text: Grund­sätzlich geht ja alles mit dem neuen Guten­berg-Editor von WordPress. Aber das meiste (zumindest das meiste von dem, was ich so brauche) ist entsetz­lich umständ­lich geworden. HTML-Bearbeitung – die für sorg­fältige Silben­trennung Pflicht ist – will für jeden Absatz einzeln einge­schaltet sein, und Blocksatz – den ich erst neuer­dings brauche, seit ich die Rand­spalte mit Verweisen ins Layout eingebaut habe – ist ebensogut versteckt und immer nur pro Absatz gültig (weshalb ich ältere Artikel links­bündig belasse – genau für so was wäre eine Datenbank-Abfrage Gold wert). Auch ist der more-Tag lästiger­weise ein separater Block geworden.

Deshalb hier ein schöner Trick für besseres Arbeiten mit viel Text: Ich nehme nicht Guten­berg, sondern den Text­editor meines Vertrauens, und habe dort eine Muster­seite mit den wich­tigsten Elementen ange­legt, nämlich alles für einen Text im Block­satz mit Weiter­lesen-Marke und den häufig­sten „Sonderzeichen“:

Und so geht es dann weiter:

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Sonntagsnotizen zu Gutenberg

In der WordPress.com-Community steigt die Nervosität: In einer Woche, am 1. Juni, wird der beliebte klassische Editor ausge­schaltet und zwangsweise durch Gutenberg ersetzt (dem unter Sympathie- und Seriositäts­aspekten möglicher­weise ein t fehlt, aber das nur nebenbei). Und obwohl meine Filter­blase längst nicht mehr primär aus Coder-Nerds besteht, sondern sich aus Blogger*innen für Fluff & Flausch, Wandern, Fotografie und essbares Grünzeug rekrutiert, war Gutenberg dieses Wochenende großes Thema.

Obwohl – oder doch eher weil? Mein Eindruck ist nämlich, dass WordPress es bisher in der Kommuni­kation unter­schätzt hat, wie viele der Kunden schon seit Jahren dabei sind, es sich in ihrem Blog häuslich eingerichtet haben und keinerlei eigenen Antrieb haben, grund­legende Mecha­nismen des täglichen Bloggens komplett über den Haufen zu werfen (wozu sie durch den neuen Editor aller­dings gezwungen werden).

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Relativ steil

Na, bereit für die ultimative Radsport-Challenge?
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Wer würde bei solchen Steigungsgraden nicht Respekt bekommen? Dagegen nehmen sich doch die steilsten Nebenstrecken durch die Dolomiten wie Kinderturnen aus.
Oder?
Oder.
Denn auf der X-Achse bildet der Graph eine Strecke von 430 Kilometern ab, in der Y-Achse dagegen den Bereich zwischen 0 und 50 Metern über NN:
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Diese vermeintliche Herausforderung erster Güte ist nämlich das „Höhen“profil des schleswig-holsteinischen Teils des deutschen Ostseeküsten-Radwegs :-) Auch schön zum Radeln, keine Frage, aber in dieser Darstellungsform doch eher eine Desinfografik …

Sonntagsnotizen (mit und ohne Fahrrad)

Der König ist tot: Beim Rennradfahren mit meinem Sohn gelten andere Regeln als allein – da wird geheizt, bis die Wade qualmt. Erster Stopp heute nach knapp 30 Kilometern, für die wir rund eine Stunde gebraucht haben:

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Schloss Wotersen mit Pracht-Kastanie

Auf dem Weg dahin der Spruch des Tages: Lang­gezogene, leicht ansteigende Straße, ich fand mich vorn mit gut 30km/h schon nicht schlecht, als mein über­motivierter Spross wie der Blitz an mir vorbeizog. Ich blieb mit zusammen­gebissenen Zähnen an ihm dran, irgendwann grinste er mich an und sagte: „Ich kann noch schneller.“ Ich, auf dem letzten Loch: „Ich nicht.“ Und er: „Tja, kannst ja nicht ewig King of the Mountain bleiben.“

Für den Rest der gut 85 Kilometer (Landkartenansicht) haben wir dann aber das Tempo ein bisschen raus­genommen, so dass der Gesamt­schnitt unter 25km/h blieb, wenn wir auch deutlich weniger brauchten als die von Google angegebene Zeit. Ging insgesamt leichter als vorigen Sonntag; vielleicht komme ich ja wieder in Übung … Aber meine Zeit als King of the Mountain (als ich am Berg fast niemanden an mir vorbeiließ, und mit Berg meine ich BERG) dürfte wirklich passé sein, seufz.

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Lesetipp Folklore-GAU: Lang her ist auch die Hochphase der Netz­sperren-Diskus­sionen, genauer rund elf Jahre. Damals war ich ja eine Zeit lang mittendrin, nicht mehr ganz jung, aber noch dumm genug, das Internet cool zu finden, wie ich heute boshaft sagen würde … Jedenfalls lässt sich beim Blick zurück festhalten: Mit diesem Artikel über die Methoden-­(und in gewisser Weise auch Motiva­tions-)­verwandt­schaft zwischen Netz­aktivisten und Corona-Verschwörungs­mythologen trifft Sven Türpe leider ins Schwarze. Ein bisschen Wach­samkeit beim Blick auf die Demo­kratie und ihre Gefähr­dungen ist nie verkehrt, aber wenn der Grundrechte-Holzhammer allzu leicht­fertig geschwungen wird, sollte ebenfalls Skepsis angebracht sein.

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Bankraub: Noch einmal zurück zur Radtour heute. Ich sagte zum Filius, „Lass uns mal noch bis kurz vor Linau weiterfahren für die letzte Kekspause.“ Schließlich wusste ich, da steht eine Bank mit prima Blick in die Feucht­niederung, Kraniche oder Rehe sieht man da eigentlich immer. Kraniche waren heute auch drei da. Die Bank aber nicht mehr.
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Ja Herrschaftszeiten, gibt’s denn gar keine Konstanten mehr auf der Welt?